Die Anfänge des Spargelbaus

Der Reisende, der von Geldern kommend sich der westliche Landesgrenze nähert, erblickt von dem auf breiter Anhöhe liegenden Ort Walbeck als erstes seine Wahrzeichen, die hoch aufragende Pfarrkirche und die beiden geschichtsträchtigen Windmühlen. Schon bei der Einfahrt wird der Besucher freundlich empfangen. „Willkommen im Spargeldorf" steht auf dem Schild am Eingang dieses traditionsreichen Ortes mit lohnenden Ausflugszielen und hohem Freizeitwert, der dann auch in den Sommermonaten zum Ziel vieler Erholungssuchender wird.

Eingebettet in eine Landschaft, die ihre typisch niederrheinische Eigenart bewahrt hat, bietet Walbeck Wanderern und Freizeitsportlern ein ideales Betätigungsfeld. In den Monaten Mai und Juni wird Walbeck zum „Mekka der Feinschmecker.“ Dank seines Spargels, in der Werbung gerne als „weißes Gold vom Niederrhein“ bezeichnet, ist dieser kleine Ort heute nicht nur im Rheinland und den angrenzenden Regionen bekannt und beliebt.

Der Aufschwung des einst verträumten, ärmlichen Heidedorfes zu Wohlstand und Ansehen ist im hohen Maße zwei Persönlichkeiten zu verdanken: Walter Klein-Walbeck und Jakob Schopmans.

Walter Klein – erst nach seiner Niederlassung in Walbeck nannte er sich in Anbetracht der Verbundenheit mit seiner Heimatgemeinde Klein-Walbeck – wurde am 25. Oktober 1876 in Elberfeld, als Sohn des Juristen Jacob Wilhelm Klein, der in Elberfeld seinerzeit das Amt des Staatsprokurators bekleidete, geboren. Die ersten Lebensjahre verbrachte Walter Klein in Elberfeld, seine Jugendjahre dagegen in Köln und später in Bonn, wo sein Vater von 1890 – 1908 Präsident des Landgerichts war. Mit 17 Jahren legte er in Bonn sine Reifeprüfung ab. Nach der Ableistung seines Einjährigenjahres bei der Garde–Kürassieren in Berlin studierte er in Lausanne, Paris und Oxford Jura. Ohne einen Abschluss erlangt zu haben, gab er sein Studium auf und trat in die Armee ein. Als Leutnant legte er später sein juristisches Doktorexamen ab. Nach seiner Promotion diente er u.a. bei den Olga-Dragonern in Ludwigsburg, den 11. Ulanen in Saarburg und im Jägerregiment zu Pferd Nr. 7 in Trier. Es waren die ersten Stationen einer erfolgreiche militärischen Laufbahn.

1912 heiratete Walter Klein in Leipzig Maria von Dresserdorf. Sie starb bereits vier Jahre später, bei der Geburt ihres zweiten Sohnes.

Der weitere, militärische und private, Lebensweg des Walter Klein ist in seinem Totenzettel detailliert nachgezeichnet. Da heißt es: „Bei Kriegsausbruch wurde er Ordonnanzoffizier bei der 5. Armee, sehr bald aber vertrat er den Kommandanten des Hauptquartiers des Deutschen Kronprinzen. Da er zu jung für diese Stellung war, wurde sie Ihm zwei Jahre lang vertretungsweise übertragen, bis ein Autounfall ihn in das Lazarett in Charleville brachte. Halb genesen, führte er bis zu Erholung einige Wochen eine Schwadron im Osten an die Front, in der Schlacht von Portawy wurde ihm die Führung eines Regiments anvertraut. Danach hatte er verschiedene Generalsstabsstellungen inne, zunächst in Bukarest, wo er schwer krank wurde, in Straßburg und in Antwerpen. Im Jahr 1918 verlobte er sich in Berlin mit Marianne Lamprecht, mit der er sich 1919 verheiratete und ein Jahr in Osnabrück, Dresden und Leipzig lebte. Im Jahre 1920 erhielt er den langen erbetenen Abschied um übernahm das väterliche Rittergut Walbeck. Er fand seinen Besitz von Grenzschutz und jahrelanger Einquartierung verwüstet von, und brachte ihn in 11jähriger Arbeit wieder zu vollen Blüte.“

Sein Hauptaugenmerk richtete sich dabei auf die Agrarwirtschaft. Da aufgrund der heimischen Bodenqualität weder ein Anbau von Weizen, noch von Zuckerrüben in Betracht kam, eine Vieh- oder Holzwirtschaft ebenso ausgeschlossen war, galt es Alternativen ausfindig zu machen. Verschiedene Versuche, den sandigen Heideboden nutzbar zu machen, führten schließlich zum Spargelanbau. Den hatte der in der Umgebung Antwerpens ja bereits kennen gelernt, wo die gleichen Bodenverhältnisse anzutreffen waren.

Seit 1928, sieben Jahre nach den ersten Anbauversuchen im heimischen Garten, unterhielt Klein-Walbeck eigene große Spargelkulturen.

Am 01. Januar 1929 gründete er im Lokal Eyckmann zusammen mit 55 Kleinbauern, Handwerkern und Arbeiter die „Spargelbau-Genossenschaft für Walbeck und Umgebung“ und wurde dessen erster Vorsitzender. Er hat die Grundvoraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufschwung des Dorfes geschaffen. Dieser Erfolg war ihm nicht leicht gemacht worden. Seine ersten Versuche, auf dem sandigen Heideböden Spargel anzubauen, hatte die Dörfler erst skeptisch gegenübergestanden. Sie klammerten sich an Althergebrachtes und hielten nicht viel von „enne studierden Buur.“ Erst als Anbauerfolge ihm recht gaben, sahen sie ein, dass es mehr einbrachte Spargel anzubauen als Getreide und Feldfrüchte auf der gleichen Fläche. Nun, mit der Einführung des Spargelanbaus hatten sie auf den kargen Böden endlich eine ertragreiche Einnahmequelle gefunden. Schuhmachen, Holzschuhmacher und Kleinlandwirte – von denen viele nebenbei ihr bescheidenes Einkommen durch Warenschmuggel aufzubessern versuchten – hatten in der Vergangenheit das berufliche Erscheinungsbild der Walbecker Bevölkerung geprägt.

Nachdem sich der Spargelanbau in Walbeck durchgesetzt hatte, begann eine für damalige Verhältnisse einzigartige Entwicklung, die entscheidend zum Wohlstand und Ansehen des Dorfes beitrug. Major a.D. Dr. Klein Walbeck aber konnte die Früchte seiner Arbeit nicht lange genießen. Er starb bereits am 17. April 1931 auf seinem Rittergut an den Folgen eines am gleichen Tage erlittenen Schlaganfalls. Sein Lebenswerk ist nicht in Vergessenheit geraten. Seit 1939 erinnert ein Denkmal in der Grünanlage am früheren „Puhl“ (Bergsteg) an die Pioniertat dieses Mannes.

Jakob Schopmans, als Heimat- und Mundartdichter am Niederrhein und in den benachbarten Regionen Zeit seines Lebens beliebt und geachtet, hat den Walbeck Spargel sprichwörtlich „in alle Munde“ gebracht.

In Gedichten, Erzählungen und Romanen sowie in heimatkundlichen Aufsätzen hat er mit wohlklingenden Versen die Schönheit seiner Heimat beschrieben und die hierin lebenden Menschen, besonders den Charakter der bäuerlichen Bevölkerung, liebevoll und kenntnisreich gezeichnet. Manches aus einer Feder ist über den Niederrhein hinaus bekannt und damit auch der Name Walbecks und seines Spargels, für deren Bekanntheitsgrad er mit Unterstützung durch Presse, Funk und Fernsehen unermüdlich geworben hat.

Dass seine intensive Werbung nicht ungehört blieb, bezeugen z.B. die folgenden Ausführungen:

In der dreißiger Jahren gehörten „Spargelfahrten“ nach Walbeck zum jährlichen Programm der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (Gau Essen). Die erste Fahrt von Essen nach Walbeck fand am Sonntag, dem 23. Mai 1937 statt. Der Teilnehmerpreis belief sich auf 5 Reichsmark. Darin enthalten waren die Fahrtkosten sowie „ein Mittagessen, bestehend aus 1 Pfund Spargel, ¼ Pfund gekochten Schinken, Buttersauce und Kartoffeln (gut und reichlich).“

Der Programmankündigung vorangestellt ist ein Stimmungsbericht über Walbeck, das „Dorf am Niederrhein“. Darin heißt es (Auszug):

„Da liegt das Dorf Walbeck in der Weite dieser Ebene, umsäumt von stillen Heideflächen und schweigendem Hochwald. Zur Silhouette des Dorfes, die sich an eine sanfte Bodenerhebung lehnt, gehört ebenso sehr der schlanke Turm der altehrwürdigen Dorfkirche wie die zwei Windmühlen, die an seinen Grenzen Wacht halten. Du wanderst über schattige Alleen, an moorigen Wassergräben vorbei, bevor Du das Dorf betrittst. Es ist schmuck, wie fast alle Orte am niederen Rhein. Blitzsaubere Häuser schauen Dich an. In der gemütlichen Wirtstube des Heimatpoeten und Gastwirtes trinkst Du behaglich Deinen Klaren und lässt die bunten Glasfenster und mit lustigen Szenen bemalten Kachelsteinen an den Wänden, die von den Menschen dieser Landschaft erzählen und von seiner Geschichte, auf Dich wirken.“

Auch im fernen Amerika nahm man Notiz vom „Spargeldorf am Niederrhein“. So heißt es in einem amerikanischen Presseartikel aus dem Jahre 1954 über Walbeck:

„Eine einzigartige Atmosphäre liegt über dem Spargeldorf Walbeck am Niederrhein. Hier ist das Land stiller als sonst irgendwo. Der Städter glaubt, auf eine friedliche Insel verschlagen zu sein. Drüben, hinter der Hügelkette, liegt Holland; diesseits grüßen die Kirchtürme von Geldern herüber. Tag für Tag geben sich die Fremden hier bewundernd und genießend der Ruhe und dem Spargel hin. Walbeck ist und bleibt das Spargeldorf am Niederrhein.“

Das Spargeldorf im Wandel der Zeit

Viel hat sich geändert im Laufe der Jahrzehnte bis in die heutige Zeit. Das gilt sowohl für die die Gastronomie wie auch für den Spargelanbau. In den Nachkriegsjahren bis hin zum Ende des letzten Jahrhunderts lebten die Spargelgaststätten von einem großen Zulauf der Spargelesser aus Nah und Fern. Das Spargeldorf Walbeck war über seine Grenzen hinaus ein Magnet für Feinschmecker, die in Scharen - vor allem am Wochenende und an Feiertagen - das Dorf bevölkerten. Doch ein Selbstläufer sollte die nicht sein, denn zunehmend boten und bieten auch in der näheren und weiteren Umgebung die Gastronomen das "Weiße Gold" an. Auch beim Spargelanbau hat sich einiges verändert. Der Spargelanbau- und Verkauf, der über Jahrzehnte in Walbeck praktiziert wurde, gibt es heute so gut wie nicht mehr. Inzwischen sorgen große Spargelbauern mit riesigen Anbauflächen für die Versorgung der Gastronomie und den privaten Verbrauch. Geliefert wird der Spargel nach wie vor auch zur den Versteigerungen.

So geht man in Walbeck neue Wege, um auch der großen Konkurrenz im Spargelgeschäft begegnen zu können. Mit "Walbeck aktiv" wurde eine Interessengemeinschaft der Geschäftsleute gegründet. Die Spargelhöfe Allofs, Kisters, Dercks und Janssen bieten organisierte Spargel- und Bustouren ins Spargeldorf Walbeck an. Neben einer Besichtigung der Höfe beinhaltet dies auch ein Spargelessen in einem der Walbecker Gastronomiebetriebe. Dass dies ein Erfolgsrezept ist, sieht man an den vielen Bussen, die täglich nach Walbeck kommen.

Die Walbecker Spargelhöfe

Spargelhof Theo und Dirk Janßen

Maasstr. 79/81, 47608 Geldern-Walbeck

Tel: (02831) 3371 oder 991811 Fax: (02831) 976280

Homepage Janssen

 

Spargelhof Kisters

Kevelaerer Straße 6 47608 Geldern-Walbeck

Tel: (02831) 21 00, Fax: (02831) 134235, EMail:info@spargelhof-kisters.de

Homepage Kisters

 

Spargelhof Allofs

Broecksteg 5 47608 Geldern-Walbeck

Tel: (02831) 3382 Fax: (02831) 94353

Homepage Allofs

 

Spargel- und Gartenbaubetrieb Familie Dercks

Bosserweg 6 47608 Geldern-Walbeck

Tel: (02831) 3776 Fax: (02831) 980788

 

 

 

 

Die Spargelprinzessinnen

Das Küren einer Spargelprinzessin hat in Walbeck eine lange Tradition. Schon vor dem "Zweiten Weltkrieg" zogen in Walbeck alljährlich die Spargelprinzessinen durch das Dorf, doch endete diese Tradition in den 1950er Jahren. Erst im Jahre 2000 lebte diese Tradition, die die Interessengemeinschaft der Walbecker Geschäftsleute "Walbeck aktiv" ins Leben gerufen, wieder auf.

Alles über die Spargelprinzessinen gibt es hier zu lesen: www.spargelprinzessin.de

"Der Spargelgrenadier"

Das Walbecker Wappen

Walbecker Wappen

Zu den bekanntesten Markenzeichen des Spardorfes gehört zweifellos der „Spargelsoldat“, allgemein als „Spargelgrenadier“ bezeichnet, eine Karikatur des rheinischen Schriftstellers Joseph von Lauff. Joseph von Lauff wurde am 16. November 1855 in Köln geboren. Der Dichter des Niederrheins und der Wilhelminischen Zeit war ein Sohn des Notars Johann Peter Lauff. Seit 1858 wohnte die Familie Lauffs im niederrheinischen Kalkar. Joseph von Lauff diente ab 1877 Aas Offizier den Fußartillerieregiment Nr. 7 in Köln. Von 1890 bis zu seiner in Nennung zum Dramaturgen des königlichen Theaterhaus in Wiesbaden(1903) wohnte er auch in Darmstadt. Seit 1903 betätigte er sich als freier Schriftsteller in Wiesbaden oder auf „Haus Rein) in Sehr bei Cochem an der Mosel.

1913 wurde er von Kaiser Wilhelm II geadelt. Am 28. August 1933 ist Joseph von Lauff auf „Haus Crein“ gestorben. Beigesetzt wurde er zunächst in Köln auf dem wir Melatenfriedhof; die 1934 erfolgte die Überführung nach Kalkar in eine Ehrengruft. Seine zahlreichen Bücher, da unter 18 in Niederrheinromane, erzielten durchweg große Auflagen. Sie befassen sich insbesondere mit der Historie und dem Volkssturm des Niederrheins, Köln und der Mosel; viele waren auch der Jagd gewidmet. 1931 zeichnete Joseph von Lauff den „Spargelgrenadier“. Der Bürgerwehrsoldat mit der Super-Spargelstange, die erbzackig als Schießgewehr präsentiert, zierte einst ein schmucke Fahne an der zwischenzeitlich aufgegebenen Gaststätte „Haus Schopmans“, die alljährlich zur Spargelzeit Besucher und Einheimische willkommen hieß und eingeweihte Heimatfreunde stets an zwei Dichter des Niederrheins erinnerte - Josef von Lauf und Jakob Schopmans. Jakob Schopmans, Gastwirt und Heimatdichter, hatte 1931 von Joseph von Lauff eine Postkarte mit der Karikatur des „Spargelgrenadiers“ und dem handschriftlichen Vermerk „1000 Dank“! Herzlich g (grüßt) v. Lauff“ als Ausdruck des Dankes für die Übersendung Walbecker Spargels erhalten.

In einem zeitgenössischen Beitrag der Niederrheinischen Landeszeitung war zu lesen: “Muss ihm diese Götterspeise vom Niederrhein gemundet haben, das er zur Feder griff und nicht nur dieses eine einzelne Bildchen, sondern gleich mehrere humorvolle Karikaturen zum Lobe des Walbecker Spargels zu Papier brachte.“

Was auch in einem Liedvers des Walbecker Heimatdichters Jakob Schopmans verewigt worden ist:

  • „Kennst du mein friedliches Walbeck nicht,
  • Das Spargeldorf, nah an der Grenze?
  • Dort schießt der Spargel im Sonnenlicht
  • Alljährlich taufrischen Lenze
  • Und aus dem sandigen Heimatgrund
  • Ist ein Ruf in die Lande geklungen.
  • Selbst Josef von Lauf hat mit zechfrohem Mund
  • Den Spargel von Walbeck besungen.“

Heute, lange Jahre nach dem Tod der beiden Dichter und nach der Schließung der Walbecker Traditionsgaststätte „Haus Schopmans“, ist das Bild des „Spargelgrenadiers“ in der Werbung selbst Allgemeingut geworden. Sein Konterfei ist im Ort allseits präsent. Selbst Walbecks „Spargelprinzessin“ steht beim jährlichen Festumzug ein stattlicher, in schmucker Uniform gekleideter „Spargelgrenadier“ zur Seite.